In diesem Artikel möchten wir eine Technik vorstellen, die mehr und mehr in der Physiotherapie und in der Osteopathie eingesetzt wird, und die wir seit kurzem auch in unseren Praxen in Zürich und Schlieren anbieten: das Dry Needling.

 

 

Was ist das Dry Needling?

Dry Needling, auf Deutsch „Trockenes Nadeln“, ist eine semi-invasive Technik, die die Punktionsnadeln der Akupunktur zur Behandlung von Muskelbeschwerden verwendet. Diese Muskelbeschwerde, die sogenannte myofasziale Schmerzsyndrom, wird von den Trigger Points ausgelöst.

Trigger Points sind Verdickungen, die in den Muskelfaszien unseres ganzen Körpers entstehen können und entweder direkten Schmerz auslösen oder den Schmerz in anderen auch entfernten Körperbereichen ausstrahlen. Eine ausführliche Beschreibung der Trigger Points finden Sie in unserem „ABC der Trigger Points“.

 

Welche sind die Prinzipien von Dry Needling?

  • Dry Needling ist die Verwendung einer Akupunkturnadel direkt über den Trigger Point. Dies dient zur Deaktivierung der Trigger Points.
  • Dry Needling heisst so, um es von anderen invasiven Techniken zu unterscheiden, bei denen eine Substanz eingespritzt wird. Dry Needling ist eben „Dry“ („trocken“) und benutzt nur Punktionsnadeln ohne weitere Substanzen.
  • Dry Needling stellt eine der effektivsten Techniken der Trigger-Point-Behandlung, vor allem wenn es mit anderen physiotherapeutischen oder osteopathischen Techniken kombiniert wird.
  • Dry Needling hat auch eine diagnostische Funktion. Wie Sie vielleicht schon wissen, ist es oftmals schwierig, Trigger Points zu diagnostizieren, weil der Schmerz auch weit weg von dem verantwortlichen Trigger Point ausgestrahlt wird. Um den Trigger Point zu finden, muss man also den ausgestrahlten Schmerz provozieren. Dies kann auf verschiedener Art und Weise erreicht werden, in der Regel mit mechanischen Stimuli wie Kompression und Dehnung. Aber keine dieser Methoden kann die ausgestrahlten Schmerzen so leicht und gezielt verursachen wie das Dry Needling.
  • Die Punktionsnadel wird vom Therapeuten als Werkzeug zum Tasten eingesetzt und kann als Verlängerung seiner Finger verstanden werden. Durch das Stechen mit der Nadel kann der Therapeut Veränderungen im Gewebe feststellen und die Festigkeit der Muskelfaszie beurteilen.

 

Wann hilft das Dry Needling?

Dry Needling hilft bei allen Beschwerden, die mit Trigger Points als Ursache oder Folge in Verbindung stehen. Einige Indikationen sind:

  • Kopfschmerzen
  • Nackenschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Lumbago
  • Muskelschmerzen, die aus einer akuten Diskushernie stammen
  • Traumen
  • sämtliche Muskelschmerzen, die von Trigger Points ausgelöst werden.

 

Wie sieht Dry Needling aus?

Die Punktionsnadeln können oberflächig ca. 1 cm unter der Haut bis tief in den Muskeln eingeführt werden, um die Trigger Points zu stechen.

Nachdem die Nadeln eingesetzt werden, werden sie durch abwechselndes Ein- und Ausführen oder Drehen stimuliert.

Nach dem Dry Needling wird in der Regel eine manuelle Behandlung (z.B. Kältespray, Massage, Muskelkontraktion usw.) durchgeführt, um die Wirksamkeit der Technik zu erhöhen.

Aber wie sieht das Ganze aus? Auf You Tube findet man zahlreiche Videos über Dry Needling. Wir haben für Sie ein Video ausgewählt, wo diese Technik im Nacken- und im oberen Rückenbereich eingesetzt wird.

 

 

Ergänzungstherapien

Dry Needling ist nicht als blosses Stechen der Trigger Points zu verstehen. Um Resultate zu erzielen, ist es notwendig, verschiedene ergänzende Techniken anzuwenden, die die Wirkung des Dry Needling verbessern. Einige dieser Techniken sind:

Freiwillige Kontraktion & Release:

Bei dieser Technik lässt man den Patienten, freiwillig den betroffenen Muskel kontrahieren und dann entspannen. Dies erhöht die Mobilität und hilft, die Trigger Points zu deaktivieren.

Entlastung durch Druck:

Bei dieser Technik übt man einen manuellen Druck auf dem Trigger Point im Muskel. Der Therapeut hält und erhöht dabei den Druck, während er eine Abnahme der Spannung wahrnimmt.

Spray & Stretch:

Nach dem Dry Needling wird ein Kältespray auf der Haut des Patienten im Bereich des ausgestrahlten Schmerz eingesetzt und der Muskel wird gedehnt. Diese Technik hilft, den Trigger-Point komplett zu deaktivieren und die volle Beweglichkeit zu erhalten.

 

Dry Needling sollte deshalb nur als Teil einer komplexeren Physiotherapie- oder Osteopathiebehandlung eingesetzt werden.